Kraft der Heilkräuter: "Eine kleine zarte Pflanze bohrt sich durch Beton"

Demker, den 26.06.2010

Demker. "Gegen jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen", meinte einst Sebastian Kneipp. Das Kann auch Birgit Ahrndt nur bestätigen. Sie besitzt ein besonderes Domizil im Grünen. Vor Drei Jahren öffnete sie eine Heilpflanzenschule hinter ihrer Haustür in Demker.

 

Von Berit Boetzer

 

Ohne das Heilkraut Beinwell läuft bei Birgit Ahrndt nichts. Sie schwört darauf, wenn es im Rücken zwickt oder der Nacken mal wieder verspannt ist. Beinwellöl auf die Körperstelle, dann ein Heizkissen obendrauf und schon "ist der Abend gerettet". Ihr umfangreiches Wissen über Kräuter hat sich die Altmärkerin angelesen und sich in Seminaren schlaugemacht. Auslöser für das Interesse an Wild- und Heilkräutern war eigentlich die Jüngste ihrer zwei Töchter. Mitte der 90er-Jahre sei das Mädchen oft erkältet gewesen. Birgit Ahrndt las sich die Beipackzettel der Arznei für ihr Kleinkind durch und bei der Vielzahl von aufgelisteten Nebenwirkungen "wusste ich, das ist nichts Gutes". So befasste sie sich mit Alternativen zur Schulmedizin. Begann mit Salbei und Kamille und legte kühlende Quarkwinkel auf die Brust. Es half.

Während sich Birgit Ahrndt über den Erfolg freute, wurde sie anfangs doch oft im Bekanntenkreis belächelt. Allerdings änderte sich dies, als ein Freund der Familie Probleme mit seiner Nasenschleimhaut hatte. Jahrelanges Abhängigsein vom Nasenspray hatten deutlich Spuren hinterlassen. Sie gab ihm eine Majoransalbe und die Nasenschleimhaut regenerierte sich wieder. Danach verstummten Skeptiker.

Die Demkerin will sich aber nicht als Kräuterfrau im eigentlichen Sinne verstanden wissen. In ihrer Heilpflanzenschule bietet sie Hilfe zur Selbsthilfe, möchte dass der Mensch einfach nur gesund bleibt. Sie plädiert daher für ein Gleichgewicht zwischen Schul- und Alternativmedizin. Ihr Fachwissen sei nämlich auch eine Vermischung jahrhundertelanger Erfahrung mit Heilkräutern und aktuellen Erkenntnissen aus der Arzneimittelforschung. Wissenschaftlich Analysiertes trifft auf traditionelles.

Die studierte Umweltpädagogin ist Dozentin für Kräuterkunde und ärztlich geprüfte Fastenleiterin. Ihr Augenmerk richtet sich auf drei Aspekte: Erhaltung der Gesundheit, chronische Leiden lindern und Wohlbefinden nach Operation oder Krankheit erlangen. Chemische Produkte, etwa Kopfschmerztabletten, wirkten schnell, behandelten aber nur Symptome. Ursachen werden nicht auf den Grund gegangen. Pflanzen hingegen wirken auf den gesamten Körper: psychisch, seelisch und körperlich. Aber: "Man braucht Geduld". Mit Blick auf die Gesellschaft weiß die Altmärkerin, dass "wir Raubbau an unserem Körper betreiben". Jeder müsse funktionieren und erwartet Wunder in Pulver- oder Pillenform. Bestes Beispiel: eine normale Erkältung. Niemand lege sich eine Woche ins Bett, um sich auszukurieren. Vielmehr wird von der Werbung suggeriert Schnell-Fit-Macher eingenommen und nach einiger Zeit "liegt man ganz schnell wieder um". Fast keiner höre mehr auf sein Bauchgefühl, man lasse sich leiten, gar fremdbestimmen. Immer mehr Menschen leiden an Allergien, viele Lebensmittel besitzen fast keinen Nährwert. Folge: Menschen werden fülliger und sind doch innerlich leer. Stress schlägt auf die Organe nieder.

Doch Abhilfe könne Ursprüngliches schaffen. Kräuter und Wildgmüse geben Vitalität. Die Kraft, die dem Menschen fehle. Unverbrauchtes mache stark. So ist es auch am Löwenzahn zu beobachten. "Eine kleine zarte Pflanze bohrt sich durch Beton." Gesundheit funktoniert nicht ohne optimale Ernährung. Je weniger Inhaltsstoffe ein Lebensmittel habe, desto besser sei es für den Menschen. Die Heilpflanzenfachfrau fordert nicht etwa eine Hauruck-Aktion in punkto Ernährungsumstellung. Aber ohne große Mühe könne jeder Stück für Stück Essgewohnheiten ändern. Vor allem "ohne sich zu kasteien oder Genuss und Spaß zu verlieren". Einfach mal ein Kopfsalat aus dem Supermarkt mit heimischen Wildkräutern verfeinern oder beim Tomaten-Mozarella-Gemisch statt des Basilikums Löwenzahn verwenden. Wer seinem Körper Gutes tun will, müsse nicht zwangsläufig und pausenlos Kräutertee trinken. Tropfen, Salben oder Öle dienten genau so zur Prophylaxe.

Birgit Ahrndt guckt nicht nur beim Essen auf die Inhaltsstoffe, sondern auch bei der Kosmetik. So können in einer Creme über 500 chemische Substanzen sein und das "tragen wir dann auf die Haut auf, unser größtes Organ". Gerade Frauen, die so um die 30 Lenze zählen, besuchen die Naturkosmetik-Kurse. Viele plagen sich mit spätpubertärer Akne, Stresspickeln, trockener Haut, fahlem Teint, Schuppenflechte oder Neurodermitis herum. Doch wer seine Haut gesund erhalten möchte, sollte informiert sein, mit was täglich gecremt wird. Wie die Ostaltmärkerin weiß, sei Naturkosmetik leicht herzustellen. Und: "Naturkosmetik ist als Geschenk unschlagbar". Im Juli sind Interessierte beim Seminar "Sonnenkräuter - im Sommer sammeln und im Winter nutzen" willkommen. Johanniskraut und Schafgarbe gehören in die Gruppe der Sonnenkräuter, die Sonnenlicht speichern und als Wirkstoff an die Menschen abgeben. Die Heilwikung traditioneller Frauenkräuter steht im August im Fokus. Frauenmantel, Beifuß oder Mutterkraut nutzen Frauen in allen Lebensphasen und sich fester Bestandteil der Volksheilkunde. Ob Hauptprobleme oder Wechseljahresbeschwerden, im Kurs sollen die nebenwirkungsfreien grünen Schwestern näher gebracht werden.

Quelle: Altmark Zeitung